so könnte nun dieser Bericht beginnen, und es folgt eine umfangreiche Abhandlung isländischer Geschichte der vergangenen 250 Jahre. Material fände sich hierzu in der Reiseliteratur in ausreichender Menge, besuchten wir doch selber gerade 2 Stätten, die uns das karge Leben vergangener Jahrhunderte vor Augen führten.

Das Leben der Islandbewohner muss hart, entbehrungsreich und einfallsreich gewesen sein, um die kurzen Sommer und die gefühlt ewigen Winter zu überstehen. Wer auch heute noch die kratzige Wolle der Islandschafe in den hiesigen Shops durch die Finger gleiten lässt, fragt sich eh, ob und warum jemand sich dieses Material direkt auf der Haut antun will. Mittlerweile gibt es ja genug Alternativen, doch in fernen Zeiten war die rauhe Wolle nunmal das non plus ultra.

Entsprechend wurden die Schafe gehegt und gepflegt, im Sommer auf die Weiden gebracht, für den Winter wurden Schafställe mangels Materialalternativen aus Torfschichten mit Grasdächern gebaut und genutzt. Und dies sogar, wie im Falle der Hjardarhagi Farm, bis in die 1970er Jahre hinein.

Ein tolles Beispiel isländischer Baukunst, auch hier teilweise wieder mit Torfböden und Grasdächern, stellt das heutige Museum in den Nordostfjorden „Bustarfell“ dar, hier stammen die ältesten Wohnteile von etwa 1770 – in Anbetracht des sich zersetzenden Baumaterials ein enormes Alter. Auch wenn das Museum bereits im Winterschlaf lag und wir nur von außen die Architektur bewundern konnten, so gewährten uns die windschiefen Fenster trotzdem einen Blick in das Innere.

Wie schnell sich in dem Zusammenhang der Charakter des Umlandes ändern kann, wurde uns am folgenden Morgen bewusst. In der Nacht vielen einige cm Schnee, und das saftig-grüne Landschaftsbild mit den grasenden Schafen verwandelte sich in eine winterliche Panoramalandschaft, und dies bereits am 23. September.

Mit stoischer Ruhe liessen sich die Schafe von der weissen Pracht nicht beeindrucken. Frieren: Fehlanzeige. Fazit: die kratzige Wolle muss höllisch warm sein – vielleicht kaufen wir uns doch noch ein paar Socken 😊.

Let it snow, let it snow, let it snow.