Eine Seefahrt die ist lustig,

Eine Seefahrt, die ist schön,

Denn da kann man fremde Länder

Und noch manches andre sehn.

Hollahi, hollaho, hollahia hia hia, hollaho.

Genaus so haben wir uns das gedacht, um beginnend in Valdez, Alaska, den Prince-William-Sound zu erkunden und seine Naturschönheiten zu entdecken.

Die „LuLuBelle“, ein schickes Tagesausflugsboot, genießt hier in Valdez den Ruf, das Schiff zu sein, um den Columbia Gletscher anzusteuern und möglichst nahe an die Abbruchkante heranzukommen.

10.30 Uhr am Morgen, und der launige Käptn Fred begrüßt seine Gäste bei strahlendem Sonnenschein und Windstille, ideale Voraussetzungen für eine Fotosafari.

Käptn Fred, bereits seit 1979 mit der LuLuBelle in den Gewässern unterwegs, dürfte mittlerweile die 80 überschritten haben, sein Schiff hingegen erschien uns jünger und in Topzustand, ein echtes Schmuckstück. Erfahrungsreich war Freds Leben, und dies teilte er uns – zu unserem Leidwesen – über Lautsprecher ausgiebig mit. Neben den eigentlichen Informationen, die es aus dem Redeschwall zu entdecken gab, konsumierten wir mehr Informationen als gewünscht. Von den 10 Stunden auf dem Schiff wurden etwa 8 Stunden enthusiastisch mit Erklärungen gefüllt, was für eine unglaubliche Energieleistung.

Kaum unterwegs auf dem spiegelglatten Gewässer haben Tanja und ich sich verliebt. Nein, nicht in ineinander, das sind wir eh schon jeden Tag. Nein, in eine Gruppe von possierlichen Schwimmern, die auf dem Rücken liegend die Welt beobachten und neugierig die Ankömmlinge angrinsen – Seeotter. Wenn sie sich gegenseitig stubsen, kraulen, die Hände scheinbar über dem Kopf zusammenraufen, einfach nur schnuffig mit höchstem Niedlichkeitsfaktor.

Doch es geht weiter, denn die kommenden Stunden bieten neben dem Höhepunkt, dem spektakulären Columbiagletscher, zahlreiche Meeresbewohner und Anrainer. Seehunde, Seelöwen, Wale, Weißkopfseeadler, Möwen, Papageientaucher sowie eine amerikanische Bergziege mit Jungtier warteten auf uns. Und wir sahen sie alle.

Der nächste Soundtrack strömt in unsere Gedanken, als wir uns rund 4 km an den Columbiagletscher (der größte der nordamerikanischen Hemisphäre mit ca. 1.000 qkm Fläche) annähern. Titanic-Klänge erscheinen imaginär, denn ab nun bewegt sich die LuLuBelle durch das Gletschereis, drückt die kleinen Eisbrocken zur Seite, während Käptn Fred die größeren Eisberge geschickt umschifft. Und so nähern wir uns bis auf wenige Meter der massiven, rund 90 m hohen Gletscherwand. Warten, bis die Gletscherwand anfängt zu knacken, zu knarzen und immer wieder kleinere Eisbrocken kalben. Um letztendlich abzubrechen und sich zum restlichen Eismeer hinzuzugesellen. Was für ein grandioses Erlebnis.

Auf einen möglichen Sonnenuntergang am Gletscher müssen wir gar nicht erst warten, der findet sowie erst nach 23 Uhr statt. Rund 2 Stunden Rückfahrt nach Valdez müssen wir noch einplanen, und die werden mal wieder von zahlreichen Geschichten durch Käptn Fred gefüllt, bis um 20.30 Uhr die Hafenmole angelandet wird. Trotz alledem fallen wir glücksbeseelt und müde in Baloos Arme. Gute Nacht.