Die Fakten:

einer der ältesten Seen der Erde, Unesco-Welterbe, 695 m über NN, bis 228 m tief, Albanien und Nordmazedonien zugehörig

Die Tour: 6 Tage, 5 Nächte, ca. 90 km einmal drum herum im Uhrzeigersinn

So, an dieser Stelle könnte wohl mein kürzester Blogbericht enden. Die Fakten und die Tour umrissen – reicht doch. Doch so einfach machen wir es uns doch trotzdem nicht, die zahlreichen entstandenen Fotos sowie das kleine Video sprechen für sich, was es denn nicht alles zu Sehen und zu Erleben gab.

Was kann man nicht alles Erleben, wenn eine kleine Wanderung gestartet wird. Entlang des Trampelpfades also hintereinander trottend, hörten wir kurz vor uns das Glockenklingeln und Meckern von Ziegen. Mist, dachten wir, als dann auch schon gleich ein paar Tiere vor uns auftauchen. Ziegen mögen wir ja per se, doch die begleitenden Hütehunde können ganz schön gefährlich werden, und die Begegnung vermeiden wir tunlichst. Doch dann erblicken wir den Ziegenhirt, der uns freundlich herbeiwinkt. Anstatt einer ganzen Herde sind es gerade mal 5 Tiere, und kein Hund weit und breit. Aufatmen ist angesagt. Und dann beginnt eine wahre Prachtdemonstration von herzlicher nichtverständlicher Sprachkommunikation. Er versteht kein Deutsch oder Englisch, wir im Gegenzug kein Albanisch und kein Italienisch. Germanica wird verstanden, und seine Augen beginnen zu leuchten, Bayern Munich, Sebastian Vettel ist alles, was wir irgendwie haben heraushören können. Nicken und ein gelegentliches „Si“ hat ausgereicht die Worte nur aus dem älteren Herrn heraussprudeln zu lassen, und nach 15 Minuten gab es ein Abschiedsfoto für die Ewigkeit. Freude pur auf allen Seiten.

Die Vogelwelt ist, im Gegensatz zu den benachbarten Prespa-Seen, deutlich reduzierter. Nun kann dies am Tourismus, der Wassertiefe, den fehlenden Brutplätzen etc. liegen, doch ein paar kleine Schätze, wie den trällernden Drosselrohrsänger, erfreuten unsere Ohren. Auch das ein Schwanpärchen mit 5 kleinen Zöglingen unseren Weg kreuzt, erfreut uns natürlich. Weiße und bunte Pfauen (die eigentlich auf dem indischen Kontinent beheimatet sind), fanden sich in den Parkanlagen der Hotels & Klöster wieder.

Apropos Kloster. Kirchen, Kapellen und weitere sakrale Bauten, wie das Kloster Sveti Naum, das Kloster von Kalista, die Kirche des heiligen Johann von Kaneo etc. liegen in wirklich exponierten Lagen direkt am See – da soll mal niemand sagen der lokale Klerus wusste nicht um die besten Lagen am See.

Der Puls des Sees mit seiner faszinierenden Alt- und modernen Neustadt schlägt jedoch im Städtchen Ohrid, dem Namensgeber des Sees. Das Schlendern an der Uferpromenade wird leider durch die Anwerber von Bootstouren etwas getrübt, doch die sich in der Altstadt verteilenden alten fachwerkartigen Gebäude laden förmlich zum Verweilen ein. Über allem thront „Samuels fortress“, eine begehbare Burgruine. Wenn auch nur noch die Grundmauern existieren, der Rundumblick ist definitiv das nordmazedonische Eintrittsgeld von 100 Dinar (ca. 1,60 €) wert.

Ein optisches Highlight, auch aus der Luft, ist die sogenannte „Bay of Bones“. Ein Freiluftmuseum, auf Holzpfählen errichtet, erzählt (wenn auch nur auf albanisch) das Leben vor rund 4.000 Jahren. Den markigen Namen „Bucht der Knochen“ erhielt die Region, als die Erbauer des Museums beim Graben auf eine Vielzahl von Tierknochen stießen. Der Name daraufhin wurde Programm.

Touristisch ist die gesamte Region rund um den Ohrid-See gut erschlossen, wenn auch fast ausschliesslich nur für albanische und nordmazedonische Besucher. Doch die Herzlichkeit, auf beiden Seiten der Grenzen, war wieder phänomenal – und so konnten wir auch der Empfehlung von Elvis, einem sehr netten Albaner, folgen und die Spezialität der Region, der endemischen Ohrid-Forelle (Koran) geniessen – einfach nur lecker.