Manches Mal sorgt die Natur für die Vergänglichkeit des Schönen, man­ches Mal (viel­leicht des Öfteren) begrün­det es sich durch den Menschen.

Unseren Start in Rumänien begin­nen wir im Südwesten des Landes und durch­que­ren die saf­tig grü­nen Wälder des Banater Berglands mit dem Ziel, den hoch­ge­lob­ten Bigar-Wasserfall zu bestau­nen und zu foto­gra­fie­ren. Oh, wie geprie­sen wur­de die­ser klei­ne Fall, der fächer­ar­tig mit Moos bewach­se­ne klei­ne Felsen ver­sprüht in hun­der­ten von klei­nen Rinnsalen eine Vielzahl von Schleiern, manch einer mag an eine Feenlandschaft den­ken, manch einer spricht vom schöns­ten Fall des süd­li­chen Europas. So war es wohl mal bis vor kur­zem, denn der Felsen brach ent­zwei, eine häss­lich klaf­fen­de Wunde inmit­ten des Falles lässt die Schönheit von einst nur noch in blas­sem Schimmer erstrah­len. So ist das mit der Vergänglichkeit der Natur, es wird wohl noch eini­ge Jahrhunderte dau­ern, bis die Kraft des Wassers die Schönheit in ande­rer Form wird wie­der­keh­ren lassen. 

Die einst ruhm­rei­che öster­rei­che KuK-Zeit ver­lieh dem klei­nen Städtchen Baile Herculane den Charme von Kuratmosphäre mit Hilfe von zahl­rei­chen gesun­den Schwefelquellen (ja, auch der ruhm­rei­che Herkules hat sich hier bereits das Schwefelwasser um den Astralkörper plät­schern las­sen). Vor sich hin­ros­ten­de ehe­ma­li­ge Paläste, Hotels, Casinos des 19. Jahrhunderts, scheuss­li­che Ergänzungen des mitt­le­ren 20. Jahrhunderts ver­sprü­hen einen zwei­fel­haf­ten Charme des mensch­lich Vergänglichen. Während die Schönheit der schrof­fen stei­len Berghänge und des klei­nen Flusses Cerna der mensch­li­chen Verfehlungen trotzt, fühlt sich kaum jemand ver­ant­wort­lich, die Bausünden ent­we­der zu spren­gen oder zu restau­rie­ren. Und somit den eins­ti­gen Glanz der „guten alten Zeit“ wie­der­zu­be­le­ben. Doch wer weiß, ob sich nicht doch irgend­wann ein krea­ti­ver Investor fin­det, um das Tafelsilber aufzupolieren.