Mangelnde Flexibilität kann man dem Expeditionsteam der M/V Sea Spirit beileibe nicht vorwerfen. Am Abend zuvor wurde uns der geplante Tagesablauf für den heutigen Tag vorgestellt, doch bei der Ankunft in Portal Point stellen wir fest – zu viel Wind in der Bucht, entsprechend zu hohe Wellen zum Anlanden. Also fahren wir weiter und ziehen den Nachmittagsplan vor und starten mit dem Polarplunge. Das Springen der Reisenden in das 3 Grad kalte Polarwasser gehört für viele zum Wunschprogramm, etwa 1/3 der Gäste an Bord versuchen sich an der Challenge. Wir verzichten liebend gerne darauf und beobachten klatschend das Spektakel.

Viel lieber schippern wir am Nachmittag mit dem Zodiac durch die Cierva Cove, einer Bucht vor einer argentinischen Forschungsstation gelegen, und beobachten zahlreiche Buckelwale bei ihrer Futtersuche. Geschätzte 20 – 30 Wale durchpflügen mit ihrem riesigen Maul das Wasser, um mit ihren Barten riesige Mengen von Krill (kleine Krustentiere) aus dem Wasser zu filtern. Die Gegenwart der Boote scheint sie in keiner Weise zu stören und zu beeindrucken, und so können wir in regelmäßigen Abständen das Auf- und Abtauchen der Meeresbewohner bestaunen. Immer wieder ergattern wir einen Blick auf einen markanten Rücken, eine Schwanzflosse und auch gelegentlich ein aufgerissenes Maul mit kräftigem Hunger. Was ein Spektakel, von dem wir uns nur schweren Herzens lösen können.

Der heutige Tag ist ja eigentlich schon so mit fantastischen Eindrücken und Erlebnissen gefüllt, dass es für die Verarbeitung alleine schon einige Tage bräuchte. Doch nichts da, nach dem Abendessen geht es um 21 Uhr für uns auf eine weitere Zodiactour, die wir für uns einfach nur als magisch bezeichnen können. Die kleine zerklüftete Inselgruppe Spert Island steht auf dem Programm, und sogar das ganze Expeditionsteam ist ganz heiß darauf, hier noch mit uns dieses Abenteuer zu erleben. Expeditionsleiter Aaron erklärt, dass die M/V Sea Spirit seit 4 Jahren wegen des Wetters und der Wellen nicht in der Lage war hier zu fahren. Doch heute Abend stimmt alles und wir brechen zur Erkundungstour auf.

Auch wenn in dieser Jahreszeit die Sonne fast nicht untergeht, so senkt sich trotzdem spät abends die Sonne ab und taucht die Atmosphäre in ein weiches, unwirkliches Licht. Die Nebelschwaden erledigen das Übrige, um Felsen, Höhlen und Eisberge in eine Zauberlandschaft zu verwandeln. Nur mit Widerwillen steuern wir nach 1,5 Stunden zurück zum Schiff und fallen kurz vor Mitternacht überglücklich und berauscht in unsere Koje.

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