In vielerlei Hinsicht leben wir „on the sunny side of the street“. Tagtäglich wird uns immer wieder vor Augen geführt, wie glücklich wir uns schätzen dürfen diese Langzeitreise leben und erleben zu können.

Aktuell verbringen wir die Tage hier in Vancouver mit Achim und Helga, zwei tolle und herzliche Menschen, die uns Haus und Herz öffnen um uns „ihr“ Vancouver zu zeigen. Kennengelernt haben wir die beiden vor einigen Monaten an einem Strand der Baja California, Mexico. ( https://www.youtube.com/watch?v=6N95mSvwOiw ). Der Einladung folgend waren eigentlich nur ein paar gemeinsame Stunden geplant, mittlerweile sind es bereits vier Tage, in denen wir ein wenig in Ihr Leben eingetaucht sind, Nachbarn und Freunde kennenlernen durften – und auch zwischendurch mal die ein oder andere leckere lokale Biersorte.

Manch klassische Touristenattraktion fuhren wir mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln, wie z.B. dem Aquabus, alleine ab, andere eher unbekannte Ecken entdeckten wir nur dank der Insidertipps von Achim.

Vancouver, diese Sehnsuchtsstadt vieler Besucher und Kanadaliebhaber, umgeben von Wasser und schneebedeckten Bergen, frohlockt mit Ansichten aus dem Bilderbuch. Eine Fähre gleitet über das azurfarbene seichte Wasser, während zeitgleich ein Wasserflugzeug in den blauen Himmel hinaufsteigt und sich von dem Gebirgsmassiv der beiden Löwenköpfe abzeichnet. Geht es noch kitschiger? Ich würde mal sagen – kaum.

Im historischen Gasviertel im Zentrum der Stadt pfeift im stündlichen Takt eine dampfbetriebene, messingblinkende große Standuhr zur Freude der neugierigen Touristen, während keine 200m weiter sich eine andere, nicht sonderlich attraktive Seite der Stadtszenerie darstellt.

In East Hastings leben die weniger glücklichen Menschen. Junkies, Obdachlose hausen in Hauseingängen, Zelten und versuchen mit spärlichen Mitteln durch das Leben zu kommen. Bis zu 7 Drogentote täglich hat die Stadt Vancouver zu beklagen, die Polizei sorgt für eine Abgrenzung zu den anderen Stadtteilen und kämpft gegen Windmühlen, die Ambulanz ist scheinbar ständig präsent. Der Geruch von Cannabis, Urin und Fäkalien wabert durch die Luft, dies alles ist nur schwer zu ertragen. Auch diese Seite gehört allerdings zu Vancouver und sollte erwähnt werden, auch wenn es sich nur um einen kleinen Teil der pittoresken Metropole im Westen Kanadas handelt, nicht gerade sunny side of the street.

Ein echter Hingucker zwischen all den verglasten Wolkenkratzern im Zentrum ist die schimmernde Kugel des Science Center. Obwohl sich zwischendurch ein paar dunkle Wolken anschickten ihre Regenlast loszuwerden – es blieb trocken, und wir konnten unsere kurze Fahrt mit dem Aquabus im späten Nachmittagslicht vollends genießen.

Jedes Kennenlernen einer Stadt steht und fällt mit den ersten Eindrücken sowie den Menschen, die man unterwegs kennenlernt. Mit Achim und Helga durften wir eine Bekanntschaft in eine Freundschaft umwandeln, somit verbindet sich unser Besuch in Vancouver stets mit dem deutschen Seemann und seiner lieben kanadischen Frau. Danke, Vancouver.