Ich gebe zu, der Begriff „Salzfass“ ist ein wenig untertrieben. Ziemlich sogar. Denn die Salar de Uyuni, gelegen im Altiplano Boliviens auf rund 3.650 Metern Höhe, punktet mit Superlativen. Eine Riesenfläche von über 10.000 km², teils bis zu 121 m dick, die geschätzte Salzmenge liegt bei 10 Milliarden Tonnen – damit könnte man ganz schön viele Frühstückseier salzen. Wer Lust kann das gerne ausrechnen.
Nun gibt es beim Besuch der Salar de Uyuni für alle Langzeitreisenden immer wieder die Gewissensfrage – selber fahren oder eine Tour buchen, um den Gefahren der Salzkruste aus dem Weg zu gehen. Es klingt verlockend, mit Tempo 90 über die Salzkristalle zu heizen und endlose Weite mit dem eigenen Fahrzeug zu genießen. Doch die Tücken sind nicht ohne, das Salz unter dem Auto muss hinterher akribisch abgewaschen werden, und nicht alle Salzkrusten auf der weiten Fläche sind stabil genug um ein Gewicht von 11 Tonnen zu bewältigen. Insbesondere jetzt, Ende April, wenn teilweise noch Restwasser aus der letzten Regenphase auf dem immensen Salztöpfchen schlummert.
Unser Expeditionsmobil Baloo ist uns lieb und teuer. Wir entschließen uns für eine private Tour mit Johnny, einem lokalen Guide. Er fährt uns routiniert bis weit in den Sonnenuntergang über für ihn vertrautes Terrain. Bereits am Morgen, wir erreichen die Grenze der Salar de Uyuni, bereuen wir die Entscheidung in keiner Weise, ist das Salz auf den ersten 300m noch feucht und rutschig wie in einer kommerziellen Saline kurz vor der Ernte. Und auch im Anschluss genieße ich es als Fahrer einfach mal gefahren zu werden, die unglaubliche Landschaft vom Beifahrersitz aus zu betrachten und mir über die tückischen Schlupflöcher keine Gedanken machen zu müssen.
Natürlich absolvieren wir das typisch touristische Gedöns, die „ojos de aqua“, der Besuch der 2015 erbauten „sculpturas de sal“, die inmitten des Salzgebietes gelegene „isla Incahuasi“, das Salzhotel und dem daneben liegenden „Dakar Bolivia“ Schriftzug sowie die Spaßfotografien mit der optischen Täuschung – und wir lieben es!!!
Und es wird am Ende des Tages noch spektakulärer, denn wir steuern mit dem Auto in eine etwa 5cm hohe Restwasserpfütze in ein gefühltes Nichts. Wir sind umgeben von einer perfekten Reflektion, dem größten Spiegel der Welt. Zuerst war ich am späten Nachmittag etwas enttäuscht, das sich Wolken in das stahlblaue Himmelszelt mischen und die fotografische weiß-blaue Idylle stören, doch hier und jetzt inmitten des wasserbedeckten Salzbeckens stellt sich dies als wahrer Segen heraus – die Marmorierung des Himmels doppelt sich in einer spektakulären Art und Weise, wie wir es noch nie erleben durften. Einfach nur irre, grandios, einzigartig, ergreifend.
Wer glaubt, es handele es sich doch „nur“ um Salz, warum soll ich mir das anschauen, den hoffe ich mit den Fotografien ein wenig vom Gegenteil überzeugen zu können. Nicht umsonst gehört die Salar de Uyuni zu den eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten Südamerikas, vielleicht sogar auf Grund seiner Einzigartigkeit zu einem globalen Highlight. Für uns auf jeden Fall.



































