In den Köpfen mancher Menschen schlummert gerne der Gedanke, dass das Langzeitreisen einem endlosen Urlaub gleichkommt, das die Entschleunigung aus dem Arbeitsleben heraus mit Caipirinha, Lagerfeuern und ewigem Herumlungern verbunden ist. Dies ist mitnichten so.

Urlaub für 2,3 oder auch gerne 4 Wochen wird im Vorfeld gebucht, vorbereitet, besitzt ein Anfang und ein zeitlich definiertes Ende, in dem man versucht möglichst viel Erlebnis, Sport, Kultur, aber auch Entspannung in Einklang zu bekommen, um im Anschluß wieder für den Arbeitsalltag gerüstet zu sein.

Anders hingegen sieht es beim Langzeitreisen aus, insbesondere wenn es auch über Ländergrenzen hinweg für einige Monate/Jahre auf Tour geht. Denn während man im Urlaub in der Regel mit einem Koffer oder Rucksack die Wochen bestreiten kann, bringt der Langzeitreisende seinen Alltag mit in sein Fahrzeug. Und was gibt es nicht alles zu berücksichtigen, um all die Balance zwischen Reisealltag und Abenteuerlust zu halten.

Die Erfahrung des Reisens in den letzten 2 Jahren in Europa und nun Nordamerika möchten wir nun gerne zusammenfassen, um auch anderen Reisenden in der Zukunft einen Überblick zu verschaffen, worum sich die Arbeiten und Gedanken unterwegs so kreisen.

  • Kurz-, mittel und langfristige Planung des Reisehorizonts.

    • In der kurzfristigen Planung betrachten wir die Aktivitäten in den kommenden 1 – 7 Tagen, um Details für Touren inkl. Wetterbetrachtung zu berücksichtigen. Wo finden wir einen erlaubten und kostenlosen Stellplatz für die kommende Nacht?

    • Mittelfristig für die kommenden 1 – 4 Wochen wird grob der Reiseverlauf betrachtet, damit besondere Ereignisse nicht verpasst werden. Aber auch wo, wie und wann der ein oder andere Servicetag (Einkauf, Wäsche, Fahrzeugpflege) eingebaut werden kann

    • Langfristig müssen wir die Visabestimmungen der Länder, der Jahreszeitenverläufe mit Regenzeiten und Schneegefahren, Heimflüge nach Deutschland und natürlich die beste Reisezeit für die Regionen in Betracht ziehen.

  • Erreichbarkeit online herstellen. Jedes Land regelt das Mobilfunknetz für sich und die Suche nach der optimalen Datensimkarte lässt einen gelegentlich verzweifeln. Das europäische Roaming war da schon angenehm, USA und Kanada und Mexiko mit den vorhandenen Prepaidkarten verlangen in der Regel viel Geld für wenig Service und Datenvolumen.

  • Kfz-Versicherungen finden. Innerhalb Europas kein Problem, da die heimische Versicherung alles abdeckt. Auf dem amerikanischen Kontinent eine Herausforderung, da es kaum noch Versicherungen gibt, die bereit sind Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen zu versichern.

  • Laundry (Waschsalon) finden, denn rund alle 2 Wochen suchen wir einen Waschsalon auf. Nicht alle sind sauber, gelegentlich fehlt der Münzautomat oder es wird nur eine lokale Kreditkarte oder Kundenkarte akzeptiert

  • Kontakte zu Freunden/Familie aufrecht erhalten. Das Leben der Daheim gebliebenen geht weiter, man selber ist on the road und erlebt einiges. Häufig erleben wir die Aussage „ich habe nicht angerufen, da ich ja nicht weiß wo und wann ich euch erreiche“. Was sicherlich richtig ist und uns dazu motiviert, möglichst proaktiv unsere Freundschaften zu pflegen und die eigenen Zeitfenster inkl. Zeitverschiebungen zu nutzen. Berechtigterweise kann man von niemandem verlangen stets zu wissen, ob wir nun gerade 7 oder 10 Stunden Zeitverschiebung überbrücken müssen.

  • Budget- und Finanzplanung. Das selbst gesteckte monatliche Budget muss im Blick behalten werden, die Kreditkarte sollte ausreichende Deckung besitzen, damit nicht kurz vor dem Monatsende im Supermarkt die Ablehnung erfolgt.

  • Beim Einkauf im Supermarkt muss ähnlich wie zuhause betrachtet werden, welche Produkte qualitativ gut und günstig für längere Reisetage gefunden werden, ohne zu sehr den Platzbedarf aus dem Auge zu verlieren. Platz im Reisemobil ist ein kostbares und rares Gut.

  • Grenzübergänge müssen vorbereitet werden.

    • Welche Visabestimmungen für uns sowie für das Reisemobil gibt es im neuen Land?

    • Welche Produkte dürfen im Kühlschrank mit eingeführt werden?

    • Einlaminierte Dokumente in Kopie (europäischer Führerschein, internationaler Führerschein, Fahrzeugschein, Personalausweis) für die kurzfristige Herausgabe haben sich bewährt, Originale werden nur in Ausnahmefällen herausgegeben.

  • Wo können wir den nächsten Fahrzeugservice vornehmen? Motoröl wechseln, Reifen wechseln bzw. rotieren lassen.

  • Entertainment an Bord ist durchaus nicht zu unterschätzen, steht ja nicht immer nur Sonnenschein auf dem Wetterprogramm. Hörbücher haben sich bewährt und gehören zum Alltag, gelegentlich mal ein Tatort aus der Offline-Mediathek. Online-Magazine halten uns mit Politik und Weltgeschehen auf dem Laufenden. Der Ebook-Reader, aber auch die Onleihe (Online-Bibliothek) sorgen für Büchernachschub sowie für Reiseführer.

Diese Liste lässt sich noch um viele, viele Punkte im Detail ergänzen, doch am Ende möchte und kann das nun auch keiner mehr lesen 😉 und wir wollen Euch nicht langweilen.