In meinem früheren Job gab es eigentlich immer einen Plan, damit man eine Abweichung auch erklären kann. Und auch jetzt auf Reisen lässt sich dieses Prinzip nach wie vor sehr gut umsetzen. Es gibt Überlegungen über die Wegstrecke, die Weiterfahrt und die Sehenswürdigkeiten auf der Strecke. Pläne für die kommenden Tage bzw. Wochen, um sie dann doch wieder mal ganz spontan umzuwerfen und zu ändern.

Gemeinsam mit 4 Reisefreunden wandern und campieren wir in Las Cascadas, einem kleinen Ort am Lago Llanquihue (viel Spaß beim Aussprechen) gelegen und philosophieren über die weitere Wegstrecke. Wir wollen weiter auf der argentinischen Seite gen Norden, die anderen 4 wollen auf der chilenischen Seite nordwärts streben. So weit, so gut. Kaum in Argentinien angekommen, da drängt sich ein nicht unwesentlicher Planungsfaktor ins Spiel – der Regen. Ein Tiefdruckgebiet erwischt uns kalt, sprichwörtlich. Denn nach 3 Tagen Dauerregen und im Sturzflug sinkende Temperaturen liegt die Schneegrenze nur noch knapp über uns, und das im auslaufenden Spätsommer, brrr. Da sinkt neben den Temperaturen auch unsere Laune, und wir beschließen nach gerade mal 6 Tagen, Argentinien wieder zu verlassen und auf der chilenischen Seite unser Glück zu versuchen. Denn mit aktuell defekter Kardanwelle und fehlendem Allradantrieb vertrauen wir lieber den besseren chilenischen Straßen bis zur geplanten Reparatur in Santiago de Chile.

Wir halten jedoch zuvor noch im kleinen Ort Junin de los Andes, erklimmen auf einem Wanderweg entlang von zahlreichen Skulpturen den hiesigen Kreuzberg, den Cerro de la Cruz. Hier liegt eine überdimensionale Christusfigur, geschickt in den Hang gebaut und weit hin sichtbar. Die Nacht im Ort war ruhig und entspannt, und am nächsten Vormittag treffen wir unerwartet Chris und Simone wieder, die wir Tage zuvor am Lago Llanquihue verabschieden. Die Flucht vor dem regennassen Wetter veranlasste die beiden nämlich die Reise ostwärts auf die argentinische Seite fortzuführen – in entgegengesetzter Richtung. Und es zeigt uns, dass wir mit unseren spontanen Planänderungen nicht allein handeln, sondern immer wieder den Gegebenheiten anpassen. Dieser Blogbericht wäre somit wahrscheinlich erst gar nicht entstanden, und auch die zu kalkulierende Reiseformel gäbe es nicht:

Reiseplan – neue Wegstrecke = Abweichung (neue spannende Reiseroute)

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