Ich glau­be gefühl­te 99,28 % der Leser die­ses Blogberichtes wer­den jetzt wahr­schein­lich den Kopf schüt­teln. Vielleicht sogar mit einer gewis­sen Berechtigung, da die Erfahrung des Langzeitreisens längst nicht jedem mög­lich war und ist. Doch es ist so, wir machen gera­de ein paar Tage Urlaub und erho­len uns vom Reisen. 

Mamma Colette, ein klei­nes B&B mit ange­schlos­se­nem Campingplatz, gewährt uns seit rund einer Woche Asyl, so das wir an der Westküste Siziliens nahe des Weinortes Marsala ein paar Tage aus­span­nen können. 

Was, Ausspannen vom Nichts tun? Ja, in der Tat erfreu­en wir uns an den schö­nen Sonnenuntergängen in der Laguna del­lo Stagnone di Marsala mit den pit­to­res­ken Windmühlen, die für die Salzgewinnung in der fla­chen Bucht genutzt wur­den. Und wir düm­peln auch ger­ne zu den 5–6 Flamingos (nein, mehr sind es in die­ser Jahreszeit wirk­lich nicht), die das seich­te Wasser zum Krillfischen durchpflügen. 

Auch wir stel­len nach fast 180 Tagen des Unterwegs seins fest, das Reisen durch­aus for­dernd sein kann. Routenplanungen aus­ar­bei­ten, Wasser für die Ver- und Entsorgung koor­di­nie­ren, das Batteriemanagement im Auge behal­ten, Fotospots suchen, Nahrungsnachschub fin­den und zube­rei­ten, Sprachbarrieren über­win­den, Fahrzeugwartung vornehmen…alldies gibt es zu tun, wäh­rend uns Baloo immer wie­der ein­zu­trich­tert: … ver­suchs mal mit Gemütlichkeit …

Und wie erhol­sam kann es dann nun, zu Weihnachten, auch mal sein, am Morgen die Croissants, das Obst und den Kaffee zube­rei­tet zu bekom­men, den Blick auf die durch Landstrom gefüll­te Batterie ein­fach hin­weg­schwei­fen zu las­sen, für Wasser nur läs­sig den Schlauch neben­an zu öff­nen und die Routenplanung ein­fach auf irgend­wann zu verschieben. 

Der ita­lie­ni­sche covid-19 lock­down gibt uns zuge­be­ner­ma­ßen den Takt des momen­tan mög­li­chen Reisens vor – und die­sen Rhythmus neh­men wir, abseits der Menschenmassen, ein­fach auf. Dann lässt einen aus­ser­dem der Blogtitel „Urlaub vom Reisen“ auch plötz­lich gar nicht mehr so sehr kopf­schüt­telnd zurück. Geht halt gera­de nicht anders.