In diesem Blogbericht möchte ich einmal die Fotografie außen vor lassen, das ausgewählte Bild dient nur der Aufmerksamkeit, als Lückenfüller.

Seit rund 7 Wochen bereisen wir den Süden Italiens, und hierbei ist mir mit penetranter Regelmäßigkeit ein Phänomen begegnet, mit dem ich als Mann nur bedingt etwas anfangen kann. Denn täglich begegnen uns männliche Autofahrer, die irgendwo alleine in ihrem Auto am Straßenrand oder auf Parkplätzen stehen, warten und gefühlt nur die Zeit totschlagen. Wirklich überall, ob am Strand, auf Stadtparkplätzen, an unbelebten Straßenecken, irgendwo entfernt in einem Naturschutzgebiet. Morgens, mittags, bis zum Sonnenuntergang begegnen uns Zeitgenossen, die scheinbar keine Heimat haben. Zwischen 18 und 80 Jahren sind zudem alle Altersklassen vertreten, hier sind kaum Unterschiede festzustellen.

Doch was treiben die italienischen Männer immer, während sie da im Fahrersitz rumlümmeln? Machen sie den Herrmann von Loriot und sagen sich „ich will einfach nur hier im Sessel sitzen und nichts tun“? Telefonieren oder daddeln sie unentwegt auf ihrem Smartphone? Lauschen sie den Klängen der italienischen Radiosender? Rauchen sie heimlich? Ich weiß es wirklich nicht.

Und welchen Beweggrund treibt den Mann aus dem Haus, um scheinbar seine Zeit lieber alleine in der Nuckelpinne zu verbringen? Es ist ja nicht so, das sie nur für ein paar Minuten dort sitzen. Im Gegenteil, unter einer halben Stunde läuft da gar nichts, es können auch mal schnell 1-2 Stunden daraus werden. Da wir im Baloo wohnen und eine erhöhte Sitz- und Sichtposition einnehmen, werden wir somit unfreiwillig Zeuge solch exzessiver Sitzpolstermalträtierungen. Wohnt zuhause ein weiblicher Drache mit 5 Kindern und der fahrbare Untersatz stellt die einzige Fluchtbastion dar? Oder wird der Herr des Hauses bewusst zum 4-stündigen Einkauf geschickt, damit die Frau des Hauses in Ruhe ihren Belangen nachgehen kann? Chattet der noch zuhause Wohnende hier ungestört mit der Freundin / Geliebten, ohne die Blicke der Eltern ertragen zu müssen? Gibt er vor zu arbeiten und muss seine 40-Stunden Woche irgendwo außerhalb der eigenen 4 Wände rumbringen?

Nun fotografiere ich zum einen solche einsamen Seelen nicht heimlich, zum anderen nehme ich mir selbstverständlich auch nicht heraus, meine Neugier mit Hilfe von direkten Fragen zu befriedigen. Man klopft schliesslich nicht einfach an die Scheibe und fragt: „entschuldigen, sie, aber warum sitzen sie eigentlich seit 2 Stunden hier schlagen die Zeit rum?“ Macht man nicht, oder ? Es geht mich schliesslich nichts an. Interessieren würde es einen aber schon, was da so im Kopf des süditalienischen autoparkenden Mannes so vorgeht. Ich mache mir da halt so meine Gedanken …