La Paz, gelegen auf rund 3.600 Metern Höhe, besitzt gemeinsam seit rund 10 Jahren mit der 400 Meter höher gelegenen indigenen Nachbarstadt El Alto einen Verkehrsverbund in Form einer Seilbahn, „Mi Teleferico“ genannt. Zehn verschiedene Seilbahnabschnitte sind so miteinander verknüpft, dass ein einfaches Umsteigen zwischen den Abschnitten unkompliziert möglich ist. Ab umgerechnet 0,30 € pro Fahrstrecke geht es los, selbst bei langen kombinierten Fahrten zahlen wir nicht mehr als 0,80 € pro Person. Schneller, einfacher und spektakulärer können wir die rote Stadt nicht erkunden. Ich nenne La Paz einfach mal die rote Stadt, da sich beim Überfliegen mit der Seilbahn unter uns ein riesiges rotes Ziegelsteinmeer ergießt. Mit dem Verschönern von Hauswänden ist es, bis auf die modernen Hochhäuser und wenigen sogenannten farbenfrohen Cholets des Architekten Freddy Mamani, nicht weit her. Beton in den Säulen, dazwischen rote Ziegelsteine en masse.

Ziel der Teleferico war es von Anfang an, die zu vollen Straßen zu entlasten und für einen schnelleren Transport zu sorgen. Wenn wir die rollende Metallkarawane in den Straßenfluchten so beobachten, dann wurde mit dem Bau der Seilbahn dieses Ziel nur bedingt erreicht. Denn das Hupen, Drängeln und den Hängen entlang schieben geht unentwegt weiter. Die Nutzung der Seilbahn ist für uns nicht nur Mittel zum Zweck, um von A nach B zu kommen, nein, wir genießen es über Friedhöfe, durch Straßenfluchten, aber auch genauso über steil abfallende Felsformationen inmitten des Regierungszentrums zu schweben und so atemberaubende Aussichten zu erhalten. Der mit 6.439 Metern schneebedeckte hohe Hausberg Illimani im Hintergrund trägt das seinige dazu bei, die Kulisse von La Paz zu verschönern.

Auch wenn es für viele Bolivianos nach wie vor befremdlich ist und sie gegenüber der in der Anschaffung sehr teuren Seilbahn ablehnend gegenüberstehen, so stellt doch „Mi Teleferico“ einen Aufbruch in die Moderne dar, die das wirtschaftlich gebeutelte Bolivien dringend nötig hat. Der Kontrast im Straßenbild ist immens, wenn auf der einen Seite die Straßenhändler, Minibusfahrer und Schuhputzer finanziell ums Überleben kämpfen, andererseits moderne Wohnkomplexe und Shopping-Malls aus dem Boden sprießen und den Konsum anheizen.

In den 7 Tagen unseres Aufenthaltes nutzen wir täglich die Seilbahn und sind immer wieder überrascht, wie freundlich und umgänglich die Menschen in den 10 Personen fassenden Gondeln miteinander umgehen. Eine Begrüßung der sitzenden Fahrgäste durch den Neuankömmling ist selbstverständlich, es wird zusammengerückt, es werden gelegentlich kleine Gespräche geführt. Ein Verhalten, das wir in anderen großen Metropolen so in der Regel nicht wahrnehmen. Als Extranjeros, Ausländer, werden wir gelegentlich neugierig betrachtet, aber immer freundlich und entgegenkommend behandelt. Wir haben Bolivien schon jetzt ins Herz geschlossen.

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