Bevor es mit dem Schauen der Bilder losgeht, möchte ich unbedingt eine WARNUNG im Vorfeld loswerden. Teile der Bilderserie vom sogenannten Hexenmarkt können verstörend und schockierend wirken. Wer sich dies nicht zumuten möchte, der darf sich in diesem Blogbericht gerne auf den Text fokussieren.
Doch wie kommen diese ungewöhnlichen Bilder zustande? Nun, wir befinden uns in La Paz, dem bolivianischen Regierungssitz, sowie dem nahegelegenen Ort El Alto. Beide Städte sind mit einem gemeinsamen Verkehrsverbund leicht miteinander zu erreichen.
Doch wer ist Gert? Unsere Städtetouren organisieren wir normalerweise alleine, fühlen wir uns doch selbstständig und erfahren genug, um eine Großstadt wie La Paz neugierig zu erkunden. Doch in diesem Fall verhält es sich etwas anders, wurde uns Gert als deutschstämmiger Reiseführer in der Reiseszene wärmstens ans Herz gelegt. Und so treffen wir uns sonntags morgens um 9 Uhr, um gemeinsam durch die Gassen zu streifen und eine spannende Stadt zu erkunden.
Donnerstags und sonntags findet der große Markt von El Alto statt, und hier kennt sich Gert aus wie in seiner Westentasche. Seit 4 Jahrzehnten lebt der Ex-Hamburger bereits hier, spricht entsprechend wie ein Boliviano das lokale Spanisch und flachst mit den Verkäufern und Verkäuferinnen, als würde man sich schon ewig kennen. Das Marktgeschehen verteilt sich auf unglaubliche 200 Straßenblöcke, und wer nicht nur gebrauchte Autoteile und Stände mit Turnschuhen finden will, der benötigt das Wissen eines Ortskundigen. Oder man muss sich stundenlang durchfragen, denn Pläne gibt es für den Markt natürlich nicht.
Kleine Gänge führen uns zu den traditionellen Kleidergeschäften der Cholita, der bolivianischen indigenen Frauen, die mit Hut, Schultertuch und bis zu 10 Unterröcken markant zu erkennen sind. Tanjas Hüfte wird aus deren Sicht als viel zu schmal und schmächtig betrachtet, gelten doch die durch die übereinander liegenden Röcke aufbauschend als Schönheitsideal. Die Rockschichten in die Hand nehmen geht im Geschäft schon mal, auf das Anziehen verzichtet Tanja herzlich gerne.
Weiter spannend wir es im Anschluss auf dem traditionellen Hexenmarkt. Hunderte von Schamanen bieten ihre spirituellen Dienste an, die auch zahlreich von den Bolivianern in Anspruch genommen werden. Egal ob es um Gesundheit, Lebensfragen oder Probleme jeglicher Art geht, für alles findet der Schamane eine vermeintliche Lösung. Und hier kommen wir nun zu den ungewöhnlichen Bildern, die beim Betrachten der Verkaufsstände entstanden sind. Wer sich in Bolivien ein Haus baut, der verbuddelt in der Regel bei der Grundsteinlegung den Fötus eines Lamas oder eines Schweins für ein gutes Leben des Hauses. Diese Föten werden hier am Hexenmarkt in Massen angeboten, hängen am Hals aufgehängt über dem eigenen Kopf und warten auf ihre Abnehmer. Ganz schön spooky.
Ohne Gert wären wir in diesem Teilbereich des El Alto Marktes sicherlich nicht so unbeschwert und neugierig fotografierend herumgestreift. Geschweige denn, dass wir all die detaillierten Informationen über den bolivianischen Schamanismus aus erster Hand erhalten hätten. Was ein aufregender Tag, der uns angereichert mit unglaublichen Eindrücken, abends in die weichen Betten fallen lässt. Und selbst bei geschlossenen Augen die Tierkadaver noch den letzten Gedanken des Tages beherrschen.

































