Für ein paar Tage zurück auf der kanadischen Seite zuckeln wir gen Norden auf dem Alaska Highway 1 und passieren den Kluane Nationalpark, anerkannt als eines der schützenswerten UNESCO Weltnaturerbe. Von anderen Reisenden bekommen wir ans Herz gelegt, sich einen Flug über das Berg- und Gletschermassiv der Rocky Mountains zu gönnen. Nicht günstig, aber unbedingt lohnenswert. Zwei der etablierten Fluganbieter befinden sich in Haines Junction, rund 70 km vom Nationalpark entfernt, ein Anbieter, Icefield Discovery Tours, offeriert seine Flüge direkt neben dem Nationalpark, gelegen am Lake Kluane. Hier wollen wir denn unser Glück versuchen.

Eine staubige Piste führt uns zum Airstrip, ein kleines Holz-Häuschen weist sich als Büro aus. Andy, ein Mitarbeiter, von dem wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten das er der Pilot ist, relaxt in der Sonne, schlägt Moskitos davon und unterhält sich lässig mit ein paar Mädels und krault einen Husky. Doch der erste Schein trügt, Andy ist kompetent, beantwortet Fragen zu Flugrouten, Preisen, freien Flugkapazitäten, Wetterbedingungen etc. Er offeriert, ohne sich aufzudrängen, so wie wir es mögen.

Eigentlich wollten wir erst am kommenden Morgen starten, doch das Wetter war zu gut, er hatte Zeit und auch die Kreditkarte hat noch mitgespielt. Give it a go – in 20 Minuten geht es los. Wir beide alleine nur mit Andy, unserem neuseeländischen Piloten.

Der Mount Logan, (5.959m) höchster Berg Kanadas, ist auf Grund seiner von Bergen umschlossenen Lage von der Straße aus nicht zu sichten. Ein Stop auf einem Eisfeld direkt gegenüber dem weltgrößten, aber nicht höchsten, Massiv wird unser Zwischenziel sein. Doch was bekommen wir bis dahin nicht alles geboten, was uns aus dem Staunen einfach nicht mehr herausbringt. Eine Vielzahl von Gletschern, wie der markante Kaskawulsh Gletscher, dessen Zungen sich von mehreren Bergen im Tal vereinen und gemeinsam das Eis und die Muränen nach unten drücken. Klangvolle Bergnamen wie der Mt St. Elias (5.489m) , Mt. Vancouver, (4.809m) nennt Andy uns während des überwiegend ruhigen Fluges. 4 Berge überschreiten in der näheren Umgebung die 5.000m Marke, 6 weitere die 4.000m Marke, rund 150 Gletscher verteilen sich auf ein riesiges und für uns unfassbares, ja surreales Areal.

Wir beide, Tanja und ich, können durchaus von sich behaupten schon so einiges an Naturschönheiten in der Welt gesehen zu haben – doch dieser Flug reiht sich definitiv in die erste Reihe der „Must do“ Erlebnisse in unserem Leben ein.

Fazit: 11 von 10 Punkten erreicht 😊