Tja, so ist das nun manchmal mit den Mythen – nicht immer entsprechen sie den eigenen Vorstellungen in allen Belangen. Der Ruf dieser strategisch bedeutsamen Straße, übersetzt heißt sie einfach „südlicher Weg“ reiht sich ein in die bekannten Straßen der Welt, wie die Route 66, die Ruta 40, die Panamericana etc. und gilt als eine der schönsten Fernstraßen der Erde. Gebaut in den Jahren 1975 – 1985 vom chilenischen Pionierkorps durch Zuhilfenahme tausender Wehrpflichtiger verläuft die Straße von Villa O’Higgins bis zum 1.240 km nördlich gelegenen Puerto Montt. Ohne diese Straße gäbe es keine Straßenverbindung des südlichen Chile durch die Anden, ein bedeutender Umweg über Argentinien wäre unausweichlich.
Wir bereisen aktuell den zentralen Teil der Ruta 7, wie die offizielle Bezeichnung lautet, und können ehrlich gesagt den touristischen Hype um diese Strecke nur zum Teil nachvollziehen. Ich würde mich als Fahrer ja gerne gemütlich der schönen Landschaft widmen, doch zumindest im südlichen Teil, wir steigen in Cochrane nordwärts in die Carretera Austral ein, wird das nix. Rund 350 km Waschbrettpiste mit massenhaft Staub sorgen für langsames Fahren und eingeschränkte Sicht, wir 3 werden kräftig durchgeschüttelt und kommen nur langsam vorwärts. Ein paar Tage zuvor hat sich ein Kreuzgelenk der vorderen Kardanwelle verabschiedet, so dass wir nur mit Hinterradantrieb zusätzlich vorsichtig unterwegs vor uns hin zuckeln. Gefühlt zähle ich bereits die Schrauben, die es nach Bewältigung dieser Piste wieder zu überprüfen gilt.
Das touristische Puerto Rio Tranquilo zieht Reisende mit Auto und Fahrrad gleichermaßen an, denn die Marmorhöhlen, entstanden durch Erosion im Lago Gral. Carrera, können vom Boot aus angesteuert werden. Das Geschäft brummt, zahlreiche Anbieter buhlen um die Fahrgäste, und wir können ruhig bei einem der Anbieter für die Nacht stehen bleiben. Die Höhlen sind nett anzuschauen, das Wetter ist sonnig, einzig die Bootstour über die Wellen schreddert unser bereits durch das Waschbrett durchgeschüttelte Knochengerüst.
Rund 100 km vor der größten Stadt Coyhaique besuchen wir die Höhlen „Paredón Las Manos“, hier gibt es historische Wandmalereien zu sehen, in denen Hände in Form von einer Blastechnik mit Farbe besprüht und abgebildet sind. Für kleines Geld genießen wir den Ausflug, wenn auch es schon ziemlich dreist ist, das Werbeplakat vor der Eingangstür für die Wandmalereien von einer in Argentinien bedeutenderen Stätte zu kopieren und hier zu verwenden. Der Museumsparkplatz gehört einem lokalen Bauern, und mit einem Bier bestechen wir den netten Chilenen, damit wir über Nacht bleiben können. Passt schon.
Ein wirkliches Highlight ist der kleine, aber feine Queulat Nationalpark mit seinem Gletscher Ventisquero, aus dessen in der Bergfalte gelegenen Ende 2 Wasserfälle gen Boden stürzen. Ein Tag im Park reichen aus, um die verschiedenen Aussichtspunkte zu erreichen, und auch hier ist uns bei unserem Streifzug das Wetter hold, und nach rund 20.000 Schritten und einigen Höhenmetern dampfen unsere Socken kräftig.
Wir schlängeln uns die letzten Kilometer bis nach Chaiten, hier können wir ein Ticket für die Fähre nach Puerto Montt ergattern. Tja, und nun warten wir hier ein paar Tage, widmen uns der Autopflege, beobachten die Magellangänse und Schwarzhalsschwäne am Strand. Fühlt sich ein bisschen wie Nordsee an. Nur 10 km von der Carretera Austral entfernt – und das Leben ist schön.





























